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Varusschlacht

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9 n.Chr. - 2009 n.Chr

2000 Jahre Varusschlacht

 

Es klingt wie ein Märchen: 1987 findet Tony Clunn, ein pensionierter Major der britischen Streitkräfte und Hobbyarchäologe, in Kalkriese, einer kleinen Ortschaft 20 Kilometer nördlich von Osnabrück, zunächst “nur” einige römische Münzen. Bis dahin gab es über 600 Theorien, Vermutungen und Hypothesen, wo die “Clades Variana”, die Niederlage des Varus, stattgefunden haben könnte. Selbst Theodor Mommsen, Deutschlands bekanntester Historiker (1817 - 1903) beteiligte sich an der Suche. Er vermutete den Ort der Schlacht al seiner von wenigen, bei Kalkriese. Begründet wurde sein Verdacht durch die vielen Münzfunde, welche von Bauern beim Pflügen der Äcker gemacht wurden.

Zurück zu Kalkriese. Im Laufe der daraufhin erfolgten Sondagegrabungen kamen immer mehr Münzen mit Prägestempeln vor 9 n.Chr. aus Lugdunum (Lyon) und Nemausus (Nîmes) im heutigen Frankreich ans Tageslicht.

Weiter wurden gefunden: eine Parademaske (siehe Bild unten). Klingen römischer Pionieräxte (Dolabren, sgl. dolabra); Pilumspitzen von Wurflanzen römischer Legionäre; Schleuderbleie balearischer Spezialeinheiten. Letztere, die ”baleares”, trafen mittels Rotationschleudern Ziele in 200 bis 300 Metern Entfernung mit großer Genauigkeit. (nach Flavius Vegetius Renatus, einem spätantiken Militärhistoriker)

      Nebenbei: Diese ”baleares”, “Fernschleuderer”, gaben den heutigen Inseln Mallorca, Menorca und Ibiza, die “Balearen”, ihren Namen.

Zurück nach Kalkriese. Die Archäologie stand Kopf, denn erstens sind antike Schlachtfelder äußerst selten anzutreffen. Zweitens war die Menge der Funde, weit über 7.000 Teile, ungewöhnlich.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Archäologie konnte ein antikes Schlachtfeld erforscht werden.

Schnell, vielleicht allzu schnell, wurde der Fundhorizont in die Zeit Kaiser Augustus’ datiert. Die Varusschlacht fand während der Regentschaft des Kaisers Augustus statt. Ergo, so die Logik, muss Kalkriese der Ort der Varusschlacht sein.
 

Aber immer langsam mit den jungen Pferden!

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Die Varusschlacht

In der Varusschlacht (9 n. Chr.) wurden drei komplette römische Legionen unter Führung des Oberbefehlshabers von Germanien, Publius Quinctilius Varus, (die XVII., XVIII. und XIX. Legion) mitsamt ihrem Tross fast vollständig aufgerieben. Nur wenigen Legionären gelang die Flucht. Insgesamt gehen die Forscher von etwa 20.000 Toten aus. Varus sah ob dieser Schmach keinen anderen Ausweg und stürzte sich in sein Schwert.

      Exkurs: Der Vergleich mag hinken, aber man stelle sich vor, die Iraker würden zehn Prozent der amerikanischen Besatzungsmacht vernichtend schlagen und zudem einen Flugzeugträger in die Luft jagen. Da kämen selbst die Amerikaner ins Grübeln.

Wenn man überlegt, dass die Sollstärke des römischen Heeres seinerzeit “nur” bei etwa 150.000 bis 180.000 Mann gelegen hatte, kann man ermessen, welches Entsetzen der Verlust dreier kompletter Legionen, immerhin 15.00 bis 18.000 Mann, bei Kaiser Augustus ausgelöst haben muss. (“Redde legiones Vare!” - “Varus, Varus gib mir meine Legionen wieder!”).

Die oben genannten Legionen wurden nie wieder aufgestellt, wohl um die Schmach der und die Erinnerung an die Niederlage zu tilgen.

 

Restaurierte römische Gesichtsmaske. Fundort Oberesch.
 Basis Eisen. Ursprünglich mit Silberblech überzogen. Messerspuren
deuten darauf hin, dass die Germanen das Silbermetall abschnitten
und den Rest achtlos liegen ließen.

gesichtsmaske.grabung.kalkriese

 

Folgen der “Clades Variana”, der Niederlage des Varus

Mit dem Untergang der Varusarmee gaben die römischen Kaiser - nach bisheriger Forschungslage - ihr Bestreben auf, ganz Germanien zu erobern. Die Römer beabsichtigten ursprünglich wohl, über die Weser (Visurgis) bis zur Elbe (Albis) vorzustoßen, um die in diesem Raum angesiedelten germanischen Stämme zu unterwerfen.

“Was hat die Varusschlacht mit mir zu tun?” - fragt sich der eine oder andere heutige Zeitgenosse nicht ganz zu unrecht. Nun, hätten die Römer ganz Germanien erobert, würden wir heute nicht deutsch sprechen, sondern einen römisch-germanischen Dialekt, ähnlich dem der Briten, der Franzosen, der Spanier...

Wo liegt denn nun das Varusschlachtfeld?

Gute Frage! Publius Cornelius Tacitus (55 n. Chr. - ca. 120 n. Chr.), bekannter römischer Geschichtsschreiber, spricht in seinen “Annalen” (annales I, 60) von einem Ort “haud procul teutoburgiensi saltu” (siehe Box unten), also einem Ort “nicht weit von dem teutoburgischen bewaldeten Bergrücken”. entfernt. Auch wenn Tacitus nicht Zeitgenosse der Varusschlacht war und keine Informationen aus erster Hand hatte, so konnte er sich doch auf Berichte in den Senatsakten stützen, die auf dem Capitol archiviert gewesen waren.

Tacitus’ Originaltext mit Übersetzung

3. Bructeros sua urentes expedita cum manu L. Stertinius missu Germanici fudit; interque caedem et praedam repperit undevicesimae aquilam cum Varo amissam. Ductum inde agmen ad ultiomos Bructerorum, quantumque Amisiam et Lupiam amnes inter, vastatum, haud procul Teutoburgiensi saltu, in quo reliquiae Vari legionumque insepultae dicebantur.

 

 

 

zu Schwierigkeiten mit der Übersetzung siehe auch: http://www.logistik-des-varus.de/?p=77

3. Die Bructerer, die selbst ihr Hab und Gut verbrannten, schlug L. Stertinius, den Germanicus mit einer leichten Heeresabteilung abgesandt hatte. Während des Mordens und Plünderns fand er den Adler der neunzehnten Legion, der unter Varus verloren gegangen war. Dann führte er sein Heer weiter bis zu der äußersten Grenze der [Stammesgebiete der] Bructerer, und das ganze Gebiet zwischen den Flüssen Amisia [Ems] und Lupia [Lippe], nicht weit entfernt vom Teutoburger Wald, in dem, wie es hieß, die Überreste des Varus und seiner Legionen unbegraben lagen, wurde verwüstet.

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Bekannte klassische Historiker in Verbindung mit der Varusschlacht

Name

Lebensdaten

Besonderheiten

Strabon von Amaseia

ca. 63.v. - ca. 23 n.

verfasste das erste erdkundliche Gesamt-werk, die “Geo-graphica” (17 Bücher, fast vollständig erhalten); er erwähnte als Erster die Germanen als Stammesvölker

Velleius Paterculus

20 v. - ca. 30 n.

Adoptivsohn Kaiser Augustus’. Im Ritter-stand. Offizier (Prae-fectus Equitum, Reiteroberst).
 7. n. Quaestor, 15 n. Praetor in Rom. Verfasste das “Kom-pendium Der Röm-ischen Geschichte”.

V. P. hat die Clades Variana ‘hautnah’ erlebt.

Publius Cornelius Tacitus

55 n. - ca. 120 n.

Brachte ein 16-bändiges Werk heraus, die “annales”; unvollständig erhalten.

Von Tacitus stammt der Ortsbegriff “in teuto-burgiensis saltu”.

Lucius Annaeus Florus

ca. 99 n. - ca. 150 n.

Historisch erste Zusammenfassung der römischen Geschichte im Buch “ab urbe condita” 

Cassius Dio

164 n. - ca. 230 n.

Dio Cassius verfasste nach zehnjähriger Recherche ein 80-bändiges historisches Werk, von dem allerdings nur Teile erhalten sind

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Publius Cornelius Tacitus

Tacitus spricht hier die Varusschlacht nicht direkt an, sondern den im Jahre 15/16 n. Chr. durchgeführten Rachefeldzug des Germanicus und des Caecina. In dessen Verlauf konnte einer von drei in der Varusschlacht verlorenen Legionsadler zurückerobert werden. Tacitus’ Ortsangabe bezieht sich jedoch indirekt auf Varus, weil Germanicus auf ein Schlachtfeld gestossen war, das am “äußersten Gebietsrande der Brukterer, zwischen Ems und Lippe” (Amisia und Lupia), gelegen hat, und wo, “zwei Tagesmärsche von dort entfernt”, “die unbegrabenen Überreste seiner [Varus’] Legionen lagen”.

Scherzhaft könnte man sagen, man müsste eigentlich nur den Zirkel nehmen und einen 40-km-Kreis um das Gebiet zwischen Ems und Lippe ziehen, um den eigentlichen Schlachtort zu finden.

      Die geographische Bezeichnung “teutoburgiensis” ist meines Wissens die einzige Ortsangabe germanischen Ursprungs, die in der römischen Geschichte schriftlich erwähnt wird.

Nun beginnen die Schwierigkeiten aber erst, denn wie wird “saltus” korrekt übersetzt? Und ... wohin soll man die Angabe “teutoburgiensis saltus” verorten? Einen Begriff “Teutoburger Wald” hat es damals ja nicht gegeben. Dieser Begriff existiert erst seit ungefähr 300 Jahren. Bis dahin nannte man den Teutoburger Wald “Osning”.

 

Mutmaßliches Varus-Schlachtfeld Kalkriese-Niewedder Senke
mit dem Oberesch als Zentrum der Ausgrabung.
Im Bild links die Hauptgrabungszone.
Rechts unten das Museum.
Quelle: Google-Earth 2009

google-earth---kalkriese-oberesch-ausgrabungsgelaende-2009

 

Argumente für Kalkriese

  • Umfangreiches Fundfeld, auch Funde von Münzen mit Varus-Gegenstempeln
  • Die große Menge von über 7.000 Fundstücken
  • Der augusteische Fundhorizont passt in das Zeitfenster
  • Fund einer Reitermaske (Eisen, ursprünglich mit Silberblech überzogen)
  • Engpass zwischen Niewedder Anhöhe und dem heute trockengelegten Moor gegenüber wäre gut als Hinterhalt geeignet gewesen
  • Der vorgefundene Spitzgraben, eigentlich ein typisch römisches Merkmal, könnte auch von Germanen angelegt worden sein
  • http://www.varusforschung.de

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Argumente gegen Kalkriese

  • Die Münzfunde mit ihren Prägestempeln bzw. den Varus-Gegenstempeln müssen nicht zwingend 9 n. Chr., sondern können auch 15/16 auf dem Oberesch bei der Germanicus/Caecinaschlacht - oder unter ganz anderen Umständen - verloren gegangen sein
  • Die Varusschlacht fand im Umkreis von zwei Tagesmärschen (1 Tagesetappe = ca. 20 km) vom Stammesgebiet der Brukterer entfernt, zwischen Ems und Lippe statt. Kalkriese liegt jedoch eindeutig weiter als zwei Tagesmärsche von dort entfernt
  • Ein auf dem Oberesch gefundener Spitzgraben kann als typisch für den Wall-/Grabenschutz (“castrum vallo fossaque fortunatus” bei Caesar) eines Römerlagers angesprochen werden
  • Die Halteklammer einer Schwertscheide trägt eine Ritzeinschrift, welche den (ehemaligen) Besitzer bei entsprechender Lesart als Legionär der Legio Prima ausweist. Die erste Legion (“Legio I [Prima] Minerva Pia Fidelis”) hat jedoch nachweislich nie in Kalkriese gekämpft.
  • http://www.arminiusforschung.de/

Vielleicht lassen sich Gegner und Befürworter dadurch besänftigen, dass man Kalkriese in einem größeren geschichtlich-geographischen Rahmen sieht und in einen indirekten Zusammenhang mit der Varusschlacht stellt. Die Germanicusschlacht, der Kampf bei Idistaviso sowie die Angrivarierschlacht sollten in diesen Kontext unbedingt mit einbezogen werden. Vielleicht kämpfen heute jedoch die Nachfahren der Brukterer mit denen der Cherusker erneut um die Vorherrschaft!?

 

Was hatten die Römer langfristig in Germanien vor?

Wie oben schon angedeutet, wollten die Römer bis zur Elbe vorstoßen. Neben der Varusschlacht fanden in den Jahren danach noch weitere kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Römern und Germanen statt, nämlich der Germanicusfeldzug 15/16 n. Chr., die Schlacht am Angrivarierwall und die Schlacht von Idistaviso (siehe auch: kalkriese.blogspot.com/).  Jedesmal zahlten die Römer einen hohen Blutzoll. Die Germanen, so verfeindet sie auch untereinander gewesen waren, ließen sich einfach nicht unterkriegen! Alle diese Umstände mögen die Römer unter Kaiser Tiberius (32 v. - 37 n. Chr.) schliesslich bewogen haben, sich dauerhaft aus Germanien bzw. den Gebieten rechts des Rheins zurückzuziehen.

Dass es zeitgleich mit der Varusschlacht aber auch schon, wenn auch räumlich begrenzt, ein friedliches Zusammenleben zwischen Römern und Germanen gegeben haben muss, zeigen die Funde von Lahnau-Waldgirmes. Dort gruben Archäologen Steinbauten aus, feste Häuser mit römischen Grundrissen, nach römischem Standard errichtet - eine kleine Sensation für die damalige Zeit.

Es scheinen sich Berichte von Cassius Dio zu bestätigen, dass “... die Römer Städte gründeten und Handel [mit Germanen] betrieben” (siehe das Beispiel Waldgirmes weiter unten)

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Die römische Expansionspolitik

Bei aller Liebe zur Antike, bei aller Begeisterung für die römischen Errungenschaften auf den Gebieten der Kultur und der Technik - man sollte nicht unterschlagen, dass die Expansion des römischen Reiches fast immer mit Mord und Totschlag einher ging. Genauer gesagt: mit Völkermord!

Allerdings spielten - mit Blick auf die aktuelle Weltpolitik - die Glaubensbekenntnisse der unterworfenen Völker für die Römer überhaupt keine Rolle. Im Gegenteil - die Römer integrierten fremde Götter einfach und gaben ihnen einen Platz im Pantheon in Rom. In diesem Punkt handelten die Römer erheblich intelligenter als die Amerikaner und ihre Verbündeten heute. Denn der Krieg im Irak und in Afghanistan ist in seiner Essenz ein Glaubenskrieg - Christentum gegen Islam.
 

      Exkurs: Wenn die USA nicht auf der Hut sind, dann wird es ihnen genauso ergehen wie den Römern. Deren tausendjähriges Reich ging an dem Umstand (mit) zugrunde, dass ein zu aufgeblähtes Stehendes Heer die politischen Grenzen und die nationalen Interessen verteidigen musste. Das kostete Unsummen! Die Verlagerung des Regierungssitzes von Rom nach Konstantinopel unter Kaiser Konstantin (326 n. Chr.) und die damit verbundene Zersplitterung der Kräfte gegen äußere Bedrohungen (Hunnen- und Ostgoteneinfälle, Völkerwanderung) beschleunigte zusätzlich den Niedergang des römischen Reiches.

Alle Großmächte dieser Welt unterlagen - mit Blick in die Geschichtsbücher - dem Dreiklang Aufstieg, Niedergang und Verfall.
 

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Der eigentliche Grund für die Varus-Katastrophe

Bevor Quinctilius Varus nach Germanien versetzt worden war, hatte er den Posten des Statthalter Roms in Syrien inne. Dort schon beging er denselben Fehler, welchen er bei den Germanen wiederholte: Bei der Rechtsprechung operierte er mit übertriebener Härte. Für vergleichsweise geringfügige Delikte verhängte er drakonische Strafen wie auspeitschen, verstümmeln oder kreuzigen. Varus respektierte die Stammesstrukturen nicht. Die Stammesältesten waren auch Gerichtsinstanzen gewesen. Varus riss die Rechtsprechung an sich und düpierte damit die germanischen Stammesoberhäupter. Letztlich war es dieser Umstand, der alle germanischen Stämme - vielleicht zum ersten Mal in ihrer Geschichte - einte und sie geschlossen gegen Varus vorgehen ließ, unter Führung des römischen Offiziers und Oberbefehlshaber der Auxiliartruppen - Arminius.

 

Pünktlich zum Varusjahr

Mutmaßlich römischer Gebirgspass
im Teutoburger Wald entdeckt

deutlich erkennbare Gleisspuren - klein image map

Die antike Römerstraße befindet sich anderthalb Kilometer von den Externsteinen entfernt. Durch die Externsteine hindurch folgt man dem “Hermannsweg” geradeaus, bis dieser nach rechts Richtung Holzhausen abbiegt (Asphalt). Dort einfach geradeaus gehen. Nach etwa 300 Metern zweigt die Römerstrasse halblinks ab. Die Gleisbreite beträgt ziemlich genau 1,40 m, deckt sich also mit den Fahrrinnen in Pompeij und Herculaneum. Dies ist ein starkes Indiz dafür, dass es sich hier tatsächlich um eine Römertrasse handelt.

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 Die sogenannten “archäologischen Laien”

Nicht wenige öffentlich bestallte Archäologen, Historiker etc. rümpfen über Laienexperten die Nasen. Wertet man dagegen einmal aus, wie viele Entdeckungen von interessierten Privatforschern gemacht wurden, so spricht die Statistik eher für die zuletzt Genannten. Ohne Tony Clunn hätten wir bis heute keinen Schimmer von Kalkriese. Dasselbe galt für den verstorbenen Heribert Klabes aus Rheda-Wiedenbrück. Während alle offiziellen Archäologen und Kunsthistoriker der Meinung sind, Corvey sei ein karolingischer Bau, stellte Klabes die These auf, dass Corvey im Kern eine augusteische Gründung war.

Ähnlich wie Lahnau-Waldgirmes, eine inzwischen zweifelsfrei als römisch-germanische Stadtgründung anerkannt, könnte auch Corvey ein im Aufbau befindlicher römischer Stadtkern gewesen sein, dessen Weiterentwicklung nach dem Rückzug der Römer abrupt abgebrochen wurde.

Pferdekopf eines römischen Reiterstandbildes in Lebensgröße. Bronze vergoldet. Waldgirmes 2008.
Die Qualität des Gusses ist nach Aussage von Fachleuten meisterhaft und brauchte keinen
Vergleich mit zeitgenössischen Kunstwerken in Rom zu scheuen.
roemisch-augusteischer pferdekopf waldgirmes 08--2009

 

Römischer Wachtturm in Bielefeld
Koordinaten: 52°00’13’’ N | 8°32’43’’ E

römischer-wachtturm-sparrenbergeregge-bielefeld

Reste eines römischen Wachtturms (Signalturm) an der “Sparrenberger Egge” bei Bielefeld, gegenüber Hotel Brand’s Busch, in Verlängerung der Promenade.

Im Bild der Suchgraben mit Größenvergleich.

Der Bau wird vor 9. n. Chr. (Drusus) datiert.

Die Kreisstruktur von 32 m Durchmesser wurde 1988 entdeckt und war in Holz-Erde-Bauweise geplant.

Der Turm wurde jedoch definitiv nie fertiggestellt.

Frage: Stand dieses Bauwerk strategisch in Verbindung mit dem mutmaßlichen Sommerlager von Varus, das im Raum Porta-Westfalica/Höxter vermutet wird?

Letzte Meldung: 2009 wurde ein zweiter Wachtturm auf Bielefelder Gemarkung entdeckt.

 

 Kloster Corvey bei Höxter als römische “Civitas” geplant?

Diese Überzeugung vertrat Heribert Klabes mit Vehemenz. Ein mir recht sympathischer Standpunkt, auch wenn sich die Fachleute die Haare raufen. Wenn man sich jedoch vor Augen führt, was die Römer unter Augustus in Germanien und darüber hinaus alles gestemmt haben, dann wundert einen so schnell nichts mehr.

Als deutliche Indizien für einen römischen Kern des “Westwerkes” von Corvey wertete Klabes...

  • die Verwendung von Kalkmörtel mit Ziegelsplittbeimischung
  • die Darstellung von Fresken, welche u.a. Delphine sowie den griechischen Gott Neptun zeigen. Die Verwendung erotischer Symbole aus der griechischen Sagen- und Götterwelt wären im frühen Christentum ein unerhörter Frevel gewesen
  • die Vertiefungen und Steinbohrungen der mutmaßlichen Gründungsinschrift am Bauwerk, die auf Verwendung von vergoldeten Bronzelettern hindeuten

Siehe auch hier...

Heribert Klabes entdeckte seiner Schilderung nach auch den Verlauf einer Römerstrasse zwischen Schwaney und Neuenheerse bei Bad Driburg. Das Sommerlager des Varus wird im Raum Höxter, Minden, Hameln vermutet. Es ist also durchaus denkbar, dass es eine römische Strassenverbindung von Anreppen-Paderborn über das Eggegebirge Richtung Weser gegeben hat. Dieser Spur sollten Hobbyforscher einmal nachgehen.

Wie man es dreht und wendet - viele stumme Zeugen der Geschichte liegen nach wie vor in der Erde verborgen und viele Geheimnisse harren noch der Entdeckung.

 

Weiterführende Websites:

www.antikefan.de

www.logistik-des-varus.de

www.archaeologie-online.de

Imperium Konflikt Mythos 
Haltern/Kalkriese/Detmold

 

 

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